| 1. Fassadenbegrünung | ||||||||||||||||||||||||||||||
| 1.1. Vorbemerkung Fassadenbegrünung ist durchaus keine Erfindung unsere Zeit. Um 1910 schien die Fassadenbegrünung richtiggehend eine Modeerscheinung gewesen zu sein (siehe Architekten wie Behrends oder Olbrich u.a.). Doch an jüngsten Beispielen ist wieder der Trend zur Fassadenbegrünung, vor allem im Bereich des Wohnungsbaus, zu erkennen. Gerade in Städten, wo ein Mangel an Grünflächen herrscht, verbirgt sich das größte Potential (oft noch mehr begrünbare Vertikalflächen als eigentlich überbauter Raum) für Fassadenbegrünung. Viele Architekten setzen Begrünung bewußt als gestalterisches Element der Fassade ein. Die Lösungen für Begrünungen sind vielfältig und reichen vom Ein- und Überwachsenlassen der Gebäude (extensive Begrünung) bis hin zur intensiven Begrünung einschließlich Balkone, Terrassen etc.. Fassaden stellen neben Speichermassen gute Bewuchsflächen dar. Für Kletterpflanzen wirkt sich der günstige Wärmehaushalt der Fassade positiv auf ihre Vegetationsperiode aus (Reflexion der Sonnenstrahlen, Schutz vor Frost). Fassadenbewuchs wirkt sich günstig auf das Klima der unmittelbaren Umgebung aus. |
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| Vorteile der Fassadenbegrünung sind: |
| Berankung, die im Winter ihre
Blätter abwirft, dient in Sommer zur Beschattung. Im Winter läßt sie die Sonne
ungehindert durch. Die Luftschicht, die zwischen einem vorgelagerten Berankungsgerüst und Blattwerk entsteht, kann durch den Kamineffekt zum Luftaustausch beitragen. Die Pflanzen produzieren Sauerstoff, nehmen Kohlendioxid auf und binden Staub. |
| Sowohl Regen als auch Wind
werden an der flächendeckenden Blattoberseite abgeleitet und können nicht ungehindert an
die Fassade gelangen. Wenn sich die Fassade in einem schlechten Zustand befindet, sollte jedoch darauf geachtet werden, daß die Luft zwischen dem Blattwerk und der Fassade zirkulieren kann. Dies ist durch einen vorgelagerten Berankungsträger möglich. Der Wärmebedarf eines Gebäudes verringert sich bereits um etwa 3 % wenn die Windgeschwindigkeit um 3,6 km / h (entspricht 1 m / s) herabgesetzt wird. Die Reduzierung der Windgeschwindigkeit wirkt sich positiv auf Transmissions- und Lüftungsverluste aus. |
| Zwischen Blättern und Wand
bildet sich ein Luftpolster, das sich günstig auf Schall- und Wärmedämmung auswirkt. Die Temperaturschwankungen verringern sich und tragen damit zum Schutz der Bausubstanz bei. |
| Die Pflanzen entziehen dem Untergrund Wasser und Salze und tragen so zum Schutz der Bausubstanz bei. |
| Fassadenbegrünung dient
vielen Tieren (z.B. Vögel, Marienkäfer, Schmetterlinge etc.) als Nahrungsstätte und
Wohnung. Gerade in Städten werden sie zu Verbindungsgliedern einzelner Grünanlagen. Durch das natürliche Gleichgewicht nehmen auch einzelne Tierarten nicht überhand. Neben den genannten Vorteilen ist noch die Blendfreiheit der Fassade positiv zu erwähnen. Durch die verschiedensten Studien in ganz Deutschland kann als bewiesen gelten, daß selbst Efeuberankung nahezu unschädlich und in vielen Beispielen sogar durchaus nützlich ist. Die vielen Vorurteile, Fassadenbegrünung (selbstklimmende Pflanze) würde dem Mauerwerk schaden, dürften damit ausgeräumt sein. |
| Für die Fassadenbegrünung eignen sich: |
| Sie klettern mit Hilfe von
kleinsten Wurzeln oder Haftscheiben und benötigen deshalb keine Kletterhilfe (Ausnahme:
an sehr glatten Wandverkleidungen zum Beispiel aus Kunststoff). Sie wachsen langsam (immergrüne Kletterpflanzen noch langsamer) und müssen kaum geschnitten werden (deshalb besonders für hohe, schwer erreichbare Wände geeignet). Je nach Art, lassen sie im Herbst ihren gleichmäßigen und schuppenartigen Blattteppich fallen oder sind das ganze Jahr über grün (immergrün). In der Regel haben standortgeeignete Kletterpflanzen eine längere Lebensdauer als alle Außenputze. Renovierungsarbeiten können deshalb lange verzögert werden. Muß die Fassade dennoch in großem Umfang saniert werden, ist die Kletterpflanze verloren. |
| Sie benötigen ein Gerüst, an
dem sie sich nach oben drehen (Schlinger) oder mit Hilfe von Dornen, Blättern oder
Blütenstielen (Spreizklimmer, Ranker) festhalten können. Sie wachsen schnell, üppig, wild und wirr und müssen öfter zugeschnitten werden. Die meisten von ihnen verlieren im Herbst die Blätter. Bei umfangreicheren Fassadenerneuerungen kann das Rankgerüst weggeklappt werden und nach abgeschlossenen Renovierungsarbeiten wieder aufgerichtet werden. Auf diese Weise bleibt die Pflanzung (im Gegensatz zu Kletterpflanzen) erhalten. |
| Heckenbäume und Sträucher
wachsen ohne Kontakt mit der Hauswand. Sie bilden bei regelmäßigem Zuschnitt eine zweite Wand die zum Beispiel einen Fahrradunterstand ersetzen kann. |
| Zu Spalierbewuchs gehören
alle einjährigen Kräuter- und Gemüsepflanzen und Fruchtsorten. Sie wachsen an Spalieren (Drahtgeflechte, Geländer, Gitterroste, Reisiggeflechte etc.) nach oben und müssen angebunden werden. Da zwar kaum Gewichtslasten, jedoch größere Windkräfte angreifen können, muß das Spalier gut an der Hauswand befestigt sein. Spalierbäume stellen in der Regel höhere Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit wie Rankgewächse. |
| Sie sind dort empfehlenswert,
wo aus irgend welchen Gründen der Boden nicht bepflanzt werden kann. Sie begrünen die Fassade auf diese Weise von oben. |
| Es ist ratsam, die
Bepflanzung auf die Himmelsrichtung abzustimmen. So ist es an der Südseite von Vorteil, wenn die Berankung im Winter ihre Blätter fallen läßt, um die Wintersonne für die Erwärmung der Wand besser nützen zu können. Obstsorten, Wein-, Kräuter und Gemüsesorten bevorzugen Südseiten. Westseiten, die in unseren Breiten (Westwindzone) die Wetterseite darstellen, sollten mit Heckenwänden, selbstkletternder immergrüner Bepflanzung oder dichter Gerüstbewachsung (mit Abstand vor der Wand: bessere Hinterlüftung) bepflanzt sein, um Wind und Regen von der Fassade fernzuhalten. An Nordseiten können nur Schattengewächse gedeihen. Ansonsten ist die gleiche Bepflanzung wie an der Westseite günstig. In starken Ostwind- Regionen sollte an Ostseiten ähnlicher Bewuchs wie an Westseiten erfolgen. Ist die Ostseite geschützt und nicht verschattet, kann einen Bepflanzung wie im Süden vorgenommen werden. Die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen muß optimal sein, um schnell und stark wachsen zu können. Der Rat vom Fachmann sollte auf alle Fälle eingeholt werden. Im Anschluß sind einige Pflanzenarten aufgelistet. Es sind nur einheimische Gewächse erwähnt, obwohl vor allem an den Südseiten auch Pflanzen aus südlicheren Gefilden wachsen können. |
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