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2. Dachbegrünung


 

2.1. Vorteile der Dachbegrünung


Neben Fassadenbegrünung zählt auch Dachbegrünung zu den Maßnahmen, um die wenigen Freiflächen, ökologischen Probleme und den Bodenmangel in den städtischen Gebieten etwas zu kompensieren.

Zu ihren Vorteilen zählen:
- Luftverbesserung: Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf, produzieren Sauerstoff und binden Staubpartikel.
- Schalldämmung: Die Schallwellen werden in der Vegetationsschicht absorbiert und nicht wie auf der harten Dachoberfläche reflektiert.
- Klimaausgleich: Bedingt durch die Wärmespeicherfähigkeit und Verdunstungsleistung der Erdschicht, heizt sich das Dach an heißen Tagen nicht so stark auf und gibt in kühleren Nachtstunden die gespeicherte Wärme verzögert ab (Pflanzenschicht schützt vor Ausstrahlung).
- Wärmedämmung: Der Boden- und Vegetationsaufbau wirkt wärmedämmend.
- UV- Schutz: Die UV- Strahlung kann nicht auf die Dachabdichtung einwirken und Porösität und Brüche verursachen.
- Wasserspeicherung: Das Niederschlagswasser kann zurückgehalten und zum Teil wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt werden (durch Verdunstung).
- Lebensraumbildung für Flora und Fauna
- Grünflächen bieten für Menschen Erholungsraum

 

2.2. bauordnungsrechtliche Auflagen


Der Dachbegrünung liegen bauordnungsrechtliche Auflagen zugrunde. Auch Ortssatzungen, wie zum Beispiel Auflagen für den begrünten wohnungsnahen Freiraum bei städtebaulicher Verdichtung, dürfen nicht außer acht gelassen werden.

Je nach ihrer Nutzung müssen zum Beispiel statische, sicherheits- (Geländer) oder feuerrechtlich bedingte (Rettungsweg) Nachweise erbracht werden.

 

2.3. Begrünungsarten


Extensivbegrünung: Sie ist für vereinfachten und dünnen Bodenaufbau geeignet.
Die Bepflanzung besteht aus pflegeleichten, niedrigen und flächigen Gehölzen, Sträuchern, Gräsern und Kräutern, die zeitweise sowohl nässe- als auch trockenheitsverträglich sind.
Intensivbegrünung: Dabei handelt es sich um anspruchsvollere Pflanzen (Bäume, Sträucher, Gehölze etc.).
Sie sind pflegeintensiver und benötigen:
- differenzierten Bodenaufbau
- stärkere Tragwerke
- aufwendigere Bewässerungs- und Verankerungsanlagen

Niedrigere Bepflanzung erfüllt ökologisch gesehen den gleichen Zweck wie höhere Bepflanzung. Sie hat den Vorteil, daß sie keine aufwendigeren Baumaßnahmen benötigt.

 

2.4. Flachdach / Pultdach


Dächer werden nach drei Merkmalen unterschieden:

- Dachneigung: Flachdächer werden in Dachneigungsgruppen unterschieden:
0°, 0-3°, 3-5°, 5-20°, über 20°
- Nutzungsart: Die Dachfläche dient zum ständigen Aufenthalt von Personen, intensiver Begrünung etc..
Sie kann aber auch zur Wartung technischer Anlagen oder extensiven Begrünung dienen.
- Warm- oder Kaltdach:

 

2.4.1. bauphysikalische Gesichtspunkte


Da die Dämmschicht bei einem Umkehrdach (siehe Abb.) oben liegt, muß bei einer Dachbegrünung nachgewiesen werden, daß der diffundierende Wasserdampf nicht den zulässigen Grenzwert überschreitet.




Für die Wärmedämmung kommen nur Dämmstoffe mit erhöhter Druckbelastbarkeit (z.B. wegen Windeinwirkung an Bäumen) in Frage.

Wärmedämmstoff Anwendungstyp Druckbeanspruchung in kg/m³
Backkork WD 80
Backkork WS 120
Kork imprägniert WS 200
Kork imprägniert WD 120
Polystyrol- Extruderschaum WD 25
Polystyrol- Extruderschaum WS 30
Polystyrol- Partikelschaum WD 20
Polystyrol- Partikelschaum WS 30
Polyurethan- Hartschaum WD 30
Phenol- Harz- Hartschaum WD 35
Schaumglas WDH 135
Zeichenerklärung (Anwendungstyp):
WD - Wärmedämmstoffe mit Druckbeanspruchung
WS - Wärmedämmstoffe mit erhöhter Druckbelastbarkeit für Sondereinsatzgebiete (z.B. Parkdeck für PKW
WDH - Wärmedämmstoffe mit erhöhter Druckbelastbarkeit unter druckverteilenden Böden bzw. Parkdecks für LKW

 

2.4.2. statische Gesichtspunkte


Die Tragkonstruktion muß in der Lage sein, die zusätzlich einwirkenden Kräfte aufnehmen zu können:
- Ständige Lasten: Flächenlasten (Baustoffe, Extensivbegrünung, Vegetation) Punktlasten (Bauelemente, Vegetation)
- Verkehrslasten: Nutzlasten und Windlasten

Hinterlüftete Flachdächer (siehe Abb.) sind aus wirtschaftlichen Gründen (untere und obere Schale müssen für zusätzliche Nutzlast berechnet werden) nicht für genutzte Dachflächen geeignet.




Flachdächer mit einer leichten Schale (z.B. Trapezblech) können nur geringe zusätzliche Nutzlasten aufnehmen.

 

2.4.3. Schichtaufbau


Die Begrünung ersetzt meistens die Kiesschüttung auf Flachdächern.

Die benötigten Schichten müssen folgende Eigenschaften aufweisen:
- Wasserdichtigkeit
- Wasserspeicherfähigkeit
- Wasserableitung
- Trittfestigkeit
- Belastbarkeit
- möglichst geringes Gewicht

Neben dem üblichen Dachaufbau kommen von unten nach oben folgende Schichten zum Einsatz (siehe folgende Abb.).

 

2.4.3.1. Trennschicht


Eine Trennschicht ist notwendig, wenn die Dachabdeckung und die Wurzelschicht aus zwei chemisch nicht verträglichen Stoffen bestehen.

 

2.4.3.2. Schutzlage


Wenn die Oberflächenbeschaffenheit der Dachabdichtung rauh ist, muß eine Schutzlage die Wurzelschutzbahn vor mechanischer Beschädigung schützen.

 

2.4.3.3. Wurzelschutzschicht


Die Schutzschicht verhindert das Eindringen von Wurzeln in die Dachabdichtung.
Sie muß fachgerecht verlegt und bis zur Oberkante der Vegetationsschicht hochgezogen werden.

 

2.4.3.4. Drainschicht


Die Drainageschicht übernimmt wasserleitende und wasserspeichernde Funktionen. Sie leitet den Wasserüberschuß der Niederschläge / Bewässerung den Dacheinläufen zu.

Es gibt eine Reihe synthetischer Produkte auf dem Markt, die sich durch Gewichtsminimierung oder bereits einer Kombination aus Drain-, Filter- und Speicherschicht auszeichnen. Sie eignen sich besonders zur nachträglichen Dachbegrünung.

Es werden strukturstabile und verwitterungsbeständige Baustoffe verwendet (Blähton- Sand, Blähton- Kiese, Kiessand, Kiese, Lava- Sande und Lava- Kiessande etc.). Ihre Korngrößen- und ihre Porenvolumenverteilung muß Wasser speichern und auch abführen können.

Die Dicke der Drainageschicht ist abhängig von der Vegetation, der Herstellungsart der Schicht, der Wasserversorgungsweise und dem Baustoff.

 

2.4.3.5. Filterschicht


Die Filterschicht verhindert, daß beim Versickern des Wassers feinere Boden- oder Substratteile von der Vegetationsschicht in die Drainschicht gelangen und ihre Wasserdurchlässigkeit beeinträchtigen.

Sie muß in der Lage sein, sowohl Wasseraufstieg aus der Drainageschicht, als auch Durchsickern von überschüssigem Wasser aus der Vegetationsschicht nicht zu behindern.

Als Baustoffe kommen vor allem Filterfliese in Betracht.

Im Falle einer Bewässerung durch Wasseranstau darf die Filterschicht nicht mit dem Wasserspiegel in Berührung kommen. Der Einbau muß sehr sorgfältig und genau durchgeführt werden. Die einzelnen Bahnen müssen überlappt verlegt und an den Seiten nach oben geführt werden.

 

2.4.3.6. Vegetationsschicht



Vegetationsschichten unterscheiden sich bei der stofflichen Zusammensetzung und ihrer Herstellung.

Sie werden in Schüttstoffe (natürliche, organische Stoffe und mineralische Gerüstbaustoffe) und Vegetationsplatten (industrielle und / oder natürliche Stoffe wie z.B. Steinwolle, Lava -Torfgemische) unterschieden.

Die Nutzungsart spielt bei ihrem Aufbau eine wesentliche Rolle.

Das Vegetationsschichtgemisch muß Wasserspeicherung, Wasserabführung und Durchlüftung möglich machen und Nährstoffe für die Pflanzen speichern können. Auf lange Sicht hin muß sie wasserdurchlässig ausgebildet sein.

Ihre Dicke ist von allen genannten Faktoren abhängig.

Ist der Aufbau jedoch zu leicht, kann es bei Staunässe zu Aufschwimmen der einzelnen Schichten kommen.

 

2.4.4. Bewässerung


1. Anstauverfahren: Bei diesem Verfahren staut sich das Niederschlagswasser in der Drainageschicht.
Ihre Dicke bestimmt das Volumen des speicherfähigen Wassers.
An die Dachabläufe der Vegetationsschicht sind abnehmbare Stauregler angebracht (für Dächer mit weniger als 1° Neigung geeignet) und / oder Wasserspeicherung vorgesehen.
2.Wasserspeicherung: Die Wasseraufnahme und Speicherung wird durch die Dicke der Schicht und die Wasserkapazität der Stoffe bestimmt.
Reicht der natürliche Niederschlag zur Bewässerung nicht aus, können diese Verfahren mittels manueller oder automatischer Zufuhr von Leitungswasser unterstützt werden (Tröpfchenbewässerung, Beregnung, Staubewässerung).

 

2.4.5. Entwässerung


Die Anordnung und Anzahl der Dachabläufe (mit darüberliegenden Kontrollschächten) wird durch eine DIN- Vorschrift geregelt (DIN 1986). Dabei sollte nur die Verzögerung und teilweise Aufnahme des Wassers durch den Schichtaufbau eingeplant werden.

Gefällelose Flachdächer verzögern den Abfluß des Wassers und helfen so, den Wasserbedarf der Pflanzen zu decken.

Ab 10° Dachneigung sammeln sich im Traufbereich erhöhte Wassermengen, die mit Hilfe einer Dränage abzuleiten sind.

 

2.4.6. Pflanzen


An die Pflanzen werden hohe Anforderungen gestellt.

Die folgenden Kriterien sollten deshalb bei der Pflanzenauswahl berücksichtigt werden:

- Windbelastbarkeit:
Durch die exponierte Lage sind die Pflanzen permanenter und hoher Windbelastung ausgesetzt. Vor allem im Winter können Trockenschäden (indirekt durch die Windgeschwindigkeit verursacht) entstehen.
- Widerstandsfähigkeit gegen Nässe und Trockenheit
- Wurzelverhalten:
Tiefwurzler können nur mit Einschränkung ein flächenförmiges Wurzelsystem entwickeln.
Herz- und Flachwurzler passen sich diesen Bedingungen besser an.
- bodenbedeckende Begrünung:
Um Errosion entgegenzuwirken sollten einige Pflanzen schnelle Bodendecker sein.

 

2.5. geneigte Dächer


Bei geneigten Dächern müssen Traufpunkt und Tragwerk zusätzliche Schubkräfte aufnehmen können (mehr als 20° Dachneigung).

Es muß darauf geachtet werden, daß die Schubsicherung (z.B. Leisten) gegenüber der Durchwurzelungsschicht und der Dachabdichtung spannungsfrei gelagert ist.

Ab 45° Neigung ist die Dachbegrünung bau- und vegetationstechnisch gesehen äußerst problematisch.

 



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