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9. Fenster


9.1. Vorbemerkung

Das Fenster stellt ein wichtiges Gestaltungsmittel in der heutigen Architektur dar. Es hat sehr großen Einfluß auf den Charakter der Fassade.

Das Fenster muß u.a. folgenden Anforderungen gerecht werden:

- Schutz vor Kälte, Wärme, Sonne, Wind und Feuchtigkeit
- manuelle und /oder mechanische Belüftung und Belichtung
- Einbruchhemmung
- Schall- und in einigen Fällen sogar Brandschutz

Doch nicht nur gestalterische und obig genannte Kriterien haben Einfluß auf die Lage und Größe der Fenster, auch konstruktive Aspekte dürfen nicht vergessen werden.
So bietet die Aufteilung der Fenster in einem Stahlskelettbau ganz andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel in einem Fachwerkbau.

Das Fenster stellt das Bindeglied zwischen außen / innen, Öffentlichkeit / Privatsphäre dar. Deshalb sollte auch der Nutzer in die Überlegungen einbezogen werden.

Unter all diesen Aspekten ist es die Aufgabe des Architekten, das stimmige Fenster einzuplanen.

 

 

9.2. Fenstergrößen


Die Größe des Fensters steht in Abhängigkeit vom Einfallswinkel des Lichtes und der Größe und Nutzung des Raumes.

Generell gilt, daß in Wohnräumen die Fenster mindestens ca. 10-25% der Zimmergrundfläche ausmachen müssen.

Je kleiner der Lichteinfallswinkel ist, desto kleiner kann das Fenster sein. Das hat folgenden Grund: Je größer der Abstand zum Nachbarhaus ist und je niedriger dieses ist, um so kleiner und flacher ist der Einfallswinkel. Das heißt, um so größer ist die Lichtmenge, die durch das Fenster in das Haus dringt. Daraus folgt, daß das Fenster etwas kleiner dimensioniert sein kann.

Bei einseitiger Befensterung sollte die Raumtiefe 7,5 m nicht überschreiten.

 

9.3. Öffnungsarten


Die Öffnungsarten reichen von Kippflügel über Wendeflügel bis hin zu Schiebefenstern (siehe folgende Abb.).


 

9.4. Rahmenmaterial


Die Fensterprofile werden aus Holz, Aluminium, Kunststoff, Stahl, Profilstahlrohr und Mischkonstruktionen hergestellt.
Mischkonstruktionen versuchen, die günstigen Eigenschaften der einzelnen Fenster zu verbinden.

Speziell wärmegedämmte Rahmen tragen erheblich zur Verbesserung des gesamten k- Wertes eines Fensters bei.

 

9.4.1. Kunststoffenster


- pflegeleicht
- wartungsfrei
- zum Teil bessere Dämmeigenschaften wie Holzfenster
- witterungsbeständig
- teure Entsorgung (oft Sondermüll)

 

9.4.2. Aluminiumfenster


- teurer als Holz- und Kunststoffenster
- pflegeleicht
- wartungsfrei
- witterungsbeständig
- schlechtere Dämmeigenschaften wie Holz- und Kunststoffenster
- (besserer Wärmeschutz, wenn der Rahmen aus zwei Teilprofilen aufgebaut ist, die thermisch voneinander getrennt sind)

 

9.4.3. Holzfenster


- atmungsaktiv
- regelmäßige Oberflächenbehandlung notwendig, da nicht witterungsbeständig
- mehr Gestaltungsmöglichkeiten: Anstrich kann deckend (Lackfarbe: matt/glänzend) oder nicht deckend (Lasur) aufgetragen werden (auf Umweltverträglichkeit achten)
- gute Dämmeigenschaften

 

9.4.4. Rahmenmaterialgruppen


Fensterrahmen werden in Rahmenmaterialgruppen 1 bis 3 eingeordnet.
Rahmen aus Holz, sowie bestimmte Mischkonstruktionen, Aluminium- Profile und Kunststoffrahmen werden der Gruppe 1 zugeordnet und weisen damit die geringsten Wärmeverluste auf.

 

9.5. Verglasung


 

9.5.1.Treibhauseffekt


Glas hat die vorteilhafte Eigenschaft, daß es das Tageslicht (kurzwellig) in den Raum eindringen, aber die Wärmestrahlung nicht nach außen entweichen (langwellig) läßt. Hierdurch entsteht ein Treibhauseffekt.

Fenster, die nachts gegen Kälte geschützt werden (temporärer Wärmeschutz) und größtenteils nach Süden orientiert sind können eine bessere Energiebilanz aufweisen, als wärmegedämmte Außenwände.

 

9.5.2. g-Wert


Der g-Wert gibt in Prozenten an, wieviel Energie durch die Scheibe fließen kann. Er läßt sich aus der direkten Sonnenenergietransmission und der Abgabe der Sonnenenergie, die die Verglasung aufgenommen hat, ermitteln.

Der g- Wert liegt etwa zwischen 45 - 85%.

Der g- Wert sollte möglichst groß sein.

 

9.5.3. k- Wert


Der k- Wert gibt an, wieviel Wärmeenergie bei einem Grad Temperaturunterschied (1K) zur Umgebungsluft in einer Zeiteinheit nach außen fließt. Dabei wird ein Quadratmeter eines Bauteils zugrunde gelegt.

Je kleiner der k- Wert ist, desto besser ist die Wärmedämmeigenschaft eines Stoffes.

Der k- Wert wird in der Einheit W / m²K angegeben.

Der Rechenwert k (F) setzt sich aus k (V) (Verglasung) und Rahmenmaterialgruppe zusammen.
Je kleiner dieser Wert, desto besser ist der Wärmeschutz des Fensters.

Inzwischen werden jedoch die Wärmeschutzeigenschaften europaweit mit dem U-Wert beschrieben. Der U (w)-Wert gilt für das gesamte Fenster, der U(g)- Wert nur für die Verglasung. Je niedriger der Wert ist, um so besser sind die Wärmeschutzeigenschaften.


Im folgenden werden einzelne k- Werte verglichen:

Beschreibung der Verglasung k (F) in W / m²K
Rahmenmaterialgruppe 1*
Einfachverglasung 5,2
Isolierglas mit > 6 bis < 8 mm Luftzwischenraum 2,9
Isolierglas mit > 8 bis < 10 mm Luftzwischenraum 2,8
Isolierglas mit > 10 bis < 16 mm Luftzwischenraum 2,6
Isolierglas mit zweimal > 6 bis < 8 mm Luftzwischenraum 2,2
Isolierglas mit zweimal > 8 bis < 10 mm Luftzwischenraum 2,1
Isolierglas mit zweimal > 10 bis < 16 mm Luftzwischenraum 2,0
Doppelverglasung mit 20 bis 100 mm Scheibenabstand 2,5
Doppelverglasung aus Einfachglas und Isolierglas
(Luftzwischenraum 10 bis 16 mm) mit 20 bis 100 mm Scheibenabstand
1,9
Doppelverglasung aus zwei Isolierglaseinheiten
(Luftzwischenraum 10 bis 16 mm) mit 20 bis 100 mm Scheibenabstand
1,5
Beschreibung der Verglasung k (F) in W / m²K
Rahmenmaterialgruppe 1*
* In der Rahmengruppe 1 sind die Fensterrahmen eingestuft, welche die geringsten Wärmeverluste verursachen, wie z.B.: Holzrahmen, Kunststoffrahmen, bestimmte Holzkombinationen, wärmegedämmte Aluminium- Profile, etc.

Außenliegende Fenster und Fenstertüren, sowie Dachfenster müssen bei erstmaligem Einbau, Ersatz oder Erneuerung in bestehenden Gebäuden nach Anlage 3 der neuen Wärmeschutzverordnung einen Wärmedurchgangskoeffizienten von mindestens k (F) = 1,8 W / m²K aufweisen.

 

9.5.4. Flachglas


Für Fenster wird das sogenannte Flachglas verwendet. Es wird weitgehend aus Kalkstein, Quarz und Soda hergestellt und zählt zu der Gruppe der Kalk-Natron-Gläser.

Man unterscheidet zwei Arten von Flachglas, die auch miteinander kombiniert werden. Dabei wird das undurchsichtige Gußglas im Walzverfahren, das durchsichtige Spiegelglas im Floatglasverfahren hergestellt.

Glas kann auf der Baustelle nicht mehr zugeschnitten werden, deshalb ist das genaue Aufmaß von sehr großer Bedeutung.

 

9.5.5. Einfachverglasung


Sie ist nur noch für Gewächshäuser und vor Trombe-Wänden zulässig.

In beheizten Räumen ist sie nicht mehr zugelassen.

 

9.5.6. Sicherheitsglas


Das Sicherheitsglas muß gegen Feuer, Einbruch und Verletzungsgefahr hemmend wirken.

Dazu gehören:
- Einscheiben- und Verbundsicherheitsgläser
- Acryl- Doppelstegplatten (Plexiglas)
- Drahtgläser (in die flüssige Glasmasse wird eine Drahtflechteinlage eingearbeitet)
Verwendet wird dieses Glas überwiegend:
- bei Über-Kopf-Verglasungen (z.B. Dachfenster)
- an Balkon- und Treppengeländern (wenn dies die Baubehörde fordert)
- bei Fenstern, bei denen die vorgeschriebene Brüstungshöhe nicht eingehalten wird

 

9.5.7. Einscheibensicherheitsglas


ESG ist widerstandsfähiger als Floatglas, da es thermisch vorgespannt ist und deshalb nicht auf Temperaturschwankungen reagiert.

Kommt es zum Bruch, entstehen ungefährliche kleine Glasstücke.

 

9.5.8. Verbundsicherheitsglas


VSG wird aus zwei oder mehr Gläsern (auch ESG und Gußglas) mit Hilfe einer durchsichtigen Folie verbunden, die die Glassplitter bei einem Bruch zusammenhält.

 


9.5.9. Panzerglas



Panzerglas wird in Einzelfällen eingesetzt, um gegen Durchschuß zu schützen.

Es ist ein Verbundglas und sehr kostenaufwendig.

 

9.5.10. Isolierverglasung / Wärmeschutzverglasung


Isolierverglasungen (frühere Bezeichnung: Thermopane) sind zwei, drei oder vier Gläser, die mit einem Scheibenzwischenraum verklebt bzw. glasverschweißt werden. Der Zwischenraum ist mit getrockneter Luft oder mit Gas gefüllt.

Die Wärmedämmfähigkeit hängt von der Anzahl der Gläser und der Größe des Zwischenraums ab.

Wärmeschutzverglasung mit thermisch getrenntem Glasrandverbund trägt erheblich zur Verbesserung des Wärmeschutzes bei.

 

9.5.11. Sonderverglasung


Durch das Anbringen einer sehr dünnen Metallbeschichtung an der raumseitigen Glasfläche der Isolierverglasung oder Füllen der Zwischenräume mit speziellen Gasgemischen, kann das energetische Verhalten zusätzlich verbessert werden.

Es muß aber dafür Sorge getragen werden, daß die Lichtqualität nicht zu sehr darunter leidet.

 

9.5.12. Sonnenschutzgläser


Hierbei handelt es sich meistens um getönte Isoliergläser, die die Sonnenstrahlen absorbieren und in Form von Wärme wieder zum größten Teil nach außen abgeben.

 

9.5.13. Acrylglas


Acrylglas ist leicht und hat eine große Lichtdurchlässigkeit.

Es läßt sich noch an der Baustelle bearbeiten und hat als Doppelstegplatte gute Dämmeigenschaften.

Der Kunststoff wird weder spröde noch vergilbt er.

Nachteilig wirkt sich aus, daß er sich, im Gegensatz zu Glas, bei Wärme stark ausdehnt und Knackgeräusche verursacht.

 

9.5.14. Über-Kopf-Verglasung


Über-Kopf-Verglasung wird im Abschnitt Dachverglasung erörtert.

 

9.6. Schallschutz


Der Schallschutz der Fenster wird durch den im Innenraum tatsächlich vorhandenen und den gewünschten Geräuschpegel bestimmt.

Für Wohnräume ist ein Schallpegel von 30 dB(A) wünschenswert.

Zur überschlägigen Ermittlung des erforderlichen Schalldämmwerts dient der Außenlärmpegel (z.B. Straße in ca. 20 m Entfernung bei ca. 200 Fahrzeugen / Stunde: 60 dB[A]) abzüglich 30 dB.

Je besser der Schalldämmwert, um so aufwendiger und damit teurer ist die Verglasung und Konstruktion des Fensters.

Generell sollte eine Konstruktion verwandt werden, die in der zuständigen DIN- Vorschrift 4109, Beiblatt 1, Tabelle 40 aufgelistet ist oder ein anerkanntes Prüfzeichen aufweist.

 

9.6.1. Schallschutzfenster


Schallschutzfenster werden vor allem an sehr stark frequentierten Straßen, Einflugschneisen etc. eingebaut.

Charakteristisch dafür sind:
- Dichtheit zwischen Blend- und Flügelrahmen
- Verglasungsart
- Abstand zwischen den Glasscheiben
- Medium im Zwischenraum
- Einbringung in den Baukörper

 

9.7. Dichtung


Nach DIN- Verordnung müssen alle Fensterkonstruktionen bei Gebäuden mit mehr als zwei Vollgeschossen ab dem dritten Vollgeschoß mit alterungsbeständigen, weichfedernden, leicht auswechselbaren und umlaufenden Dichtungsprofilen zwischen beweglichem Flügel und freistehendem Rahmen versehen sein.

Um Schimmelbildung zu vermeiden muß auf ausreichenden Luftwechsel (DIN 4108 Teil 2) geachtet werden (Raumluftwechsel pro Stunde etwa 0,8 mal). Dies geschieht am besten durch Stoß- (vollständiges öffnen der Fenster) und Querlüftung (öffnen der Fenster an gegenüberliegenden Seiten).

Bei Fenstern ohne Dichtung geht etwa 50 % des Wärmeverlustes durch Undichtigkeiten verloren.

Der Einbau von Blendrahmen und Fensteranschlägen dient zur Verbesserung der Dichtigkeit.

 

9.7.1. a- Wert


Der a- Wert gibt an, wieviel m³ Luft je Stunde und je Meter Fugenlänge bei einer bestimmten Luftdruckdifferenz durch die Fugen strömen.

Der a- Wert sollte aus bauphysikalischen Gründen jedoch nicht gegen null gehen.

Laut DIN 18055 ist in der neuen Wärmeschutzverordnung festgelegt, daß der a- Wert bei Gebäuden bis zu zwei Vollgeschossen maximal 2,0 (bei Gebäuden mehr als zwei Vollgeschossen ab dem dritten Vollgeschoß maximal 1,0) betragen darf.

 

9.8. Optimierung der Fenster zur passiven Nutzung der Sonnenergie


Solare Wärmegewinne werden durch den Treibhauseffekt in Verbindung mit (im Gebäude befindlichen) Speichermassen erzielt.

Bei Optimierung der Fenster ist die Energiebilanz positiv zu bewerten (Gewinne, der zur Raumheizung nutzbar gemachten Sonnenenergie sind größer als Wärmeverluste durch die Fenster nachts und außerhalb warmer, sonniger Wetterperioden).

Der Heizwärmebedarf sinkt degressiv mit zunehmender Fensterfläche an der Südfassade. D.h. jeder zusätzliche m² Fensterfläche liefert weniger Heizwärmebeitrag als der vorangegangene, da die Wärmeverluste außerhalb der warmen, sonnigen Wetterperioden überwiegen.

U.a. sind folgende Aspekte zur Optimierung wesentlich:
- Orientierung der Fenster möglichst nach Süden (Abweichungen in beiden Richtungen bis ca. 30 ° unwesentlich)
- möglichst keine Verschattung der Fenster im Winter (durch Bäume, Gebäude, Mauern, Dachüberstände, tiefe über den Fenstern angeordnete Balkone [Auskragung möglichst nicht über 90 cm] etc.)
- möglichst kleiner k- Wert der Verglasung
- möglichst großer g- Wert der Verglasung
- möglichst große Glasscheiben mit geringem Rahmenanteil
- bessere Wärmedämmeigenschaften an Fensterrahmen
- zusätzliche Maßnahmen zum temporären Wärmeschutz

 



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