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7. Balkone


7.1. Vorbemerkung

Balkone sind neben Gärten, Terrassen etc. nahegelegene Erholungsbereiche und übernehmen darüber hinaus Funktionen wie Kommunikation, Wirtschaften, Arbeiten, Repräsentation u.v.a..

Sie tragen (wie z.B. Fenster, Türen) wesentlich zur Fassadengestaltung und deren Wirkung bei. Die Aussage wird durch die jeweilige Ausführung (Konstruktion, Materialwahl etc.) bestimmt.

Grundsätzlich sollte jedoch bedacht werden, daß Balkone mit einer Auskragung über 90 cm die darunterliegenden Fenster zunehmend beschatten und damit den Heizwärmebedarf vergrößern (siehe Kapitel passive Nutzung der Sonnenenergie).

 

7.2. Balkonarten



 

7.3. Nutzung


Um ein spätere Nutzung zu gewährleisten, sollte zu Beginn der Planung die Zweckbestimmung (z.B. Arbeiten, Erholen, Essen etc.) näher definiert werden.
Die Abmessungen des Balkons richten sich nach seiner Bestimmung.
Er sollte den Wohnräumen bzw. bei Wirtschaftsbalkonen der Küche zugeordnet sein.

Die Nutzung wird unter anderem durch folgende Faktoren beeinflußt:
- Gebäudestandort:
Hanglage
Lage in der Ebene
Lage an Straßen, Plätzen oder im Gelände
Aussichtsmöglichkeiten
freistehendes Gebäude oder Gebäude in der Gruppe etc.
- Orientierung:
Sonneneinflüsse
Windeinflüsse
Regeneinflüsse
Lichteinflüsse
- Anordnung am Gebäude:
Gebäudekante
Giebel
gestaffelte, gereihte, gruppierte oder einzelne Anordnung usw.
- Verbindungen zu Innenraum bzw. Garten:
Größe
Art und Anzahl der Türen, Fenster und Treppen

Die Nutzung kann akustisch (Verkehrslärm, Musik, laute Diskussionen etc.), optisch (Einblick) und klimatisch (Sonne, Wind, Regen) beeinträchtigt werden.

 

7.4. Schallschutzmaßnahmen


- Anordnung zu ruhigen Innenhöfen, Gartenseiten etc.
- Balkone mit Abstand anordnen (Schalldruckabnahme bei 5 Metern ca. 15 dB)
- Balkonabtrennungen aus doppelwandigen Systemen
- schalldämmende Ausbildung von Wandflächen, geschlossener Brüstungen, darüber angeordnete Schutzdächer und Balkonunterseiten
- Anordnung von Mauern
- Bepflanzungen
- Böschungen etc.

 

7.5. Schutzmaßnahmen gegen Einblick


- Günstige Anordnung der Balkone (nicht einsehbar) zueinander
- Anordnung von Trennwänden, Wangen und Blenden
- Anordnung von Klapp-, Falt- und Schiebeläden etc.

 

7.6. klimatische Schutzmaßnahmen


- Anordnung an windabgewandten Seiten
- Vermeiden von Anordnungen an Gebäudeecken
- Anordnung von Markisen
- Anordnung von Klapp-, Falt- und Schiebeläden
- Anordnung von Schutzdächern
- Anordnung von geschoßhohen Wänden, Wangen und Blenden etc.

 

7.7. Geländer


Aus Sicherheitsgründen müssen Geländer ab einer Absturzhöhe von einem Meter 90 cm hoch sein.

Ab einer Absturzhöhe von 12 m muß eine 1,10 m hohe Brüstung vorgesehen werden.

Über einer Absturzhöhe von 1,50 m dürfen Geländeröffnungen maximal 12 cm betragen.

Der Abstand bei vorgehängten Geländern zwischen Fußboden und Umwehrung sollte maximal 4 cm ausmachen.

Geländerstäbe können auf, an oder unter Balkonplatten befestigt werden. Um Spannungen zu vermeiden (Bildung von Rissen) sollten sie nach Möglichkeit nicht an der Hauswand befestigt werden.

Je nach Gestaltungsabsicht können Geländer und Brüstungen offen bzw. geschlossen in Stahl, Aluminium, Holz, Glas mit oder ohne Drahteinlage, Kunststoff, Mauerwerk, Beton usw. ausgeführt werden.

 

7.8. Balkonbeläge


Bodenbeläge müssen wie folgt ausgebildet sein:
- wasser-, hitze- und frostbeständig
- abriebfest
- tritt- und gleitsicher


Je nach Konstruktion sind neben Naturstein-, Kunststein- und Keramikplatten, Holz und bestimmte Estriche geeignet.

 

7.9. Balkonformen


Abhängig von Gestaltungsabsichten, Nutzungsbestimmungen, Konstruktion, diversen Schutzmaßnahmen etc. können Balkone drei-, vier- oder vieleckige, runde, geschweifte oder gerundete Formen annehmen.

Sie können als Arkaden, Loggien, Laubengänge, Balkone mit oder ohne Blenden, Wangen und Dächer etc. auftreten.

Ihre Anordnung kann einzeln, doppelt, versetzt, gereiht, radial, gestaffelt usw. erfolgen.

 

7.10. Konstruktionen


Die Konstruktion muß ungehindertes Abfließen von Regen-, Gieß- und Tauwasser gewährleisten.
Entwässerung (Wasserspeier, Regenfallrohre etc.), Tür- und Wandanschlüsse sollten besonders sorgsam ausgeführt werden.

 

7.10.1. Metallkonstruktionen


Konstruktionen aus Stahl stehen oder hängen vor der Fassade. Stahlprofile werden nicht verkleidet und aus Rostschutzgründen gestrichen oder feuerverzinkt.

Sie werden auch zur Verbesserung der Wohnqualität bei Altbaumodernisierungen eingesetzt.

Metallkonstruktionen sind aus bauphysikalischer und konstruktiver Sicht vorteilhaft und im Vergleich zu massiven Konstruktionen oft preisgünstiger.

Stahl erlaubt außerdem eine schlanke Profilierung.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Balkonen, die nur zu Reinigungszwecken von Fassaden und Fenstern dienen. Dabei werden an Absturzsicherungen keine hohen bauaufsichtlichen Anforderungen gestellt. Sie können deshalb besonders filigran ausgebildet werden.

 

7.10.2. Holzkonstruktionen


Auch hier stehen die Konstruktionen frei oder werden vor die Fassade gehängt. Bei Holzständerbauweise (Rohbau) werden häufig auch Holzkonstruktionen für die Balkone verwendet.

In Spritzwasserbereichen müssen bei Stützen Vorkehrungen, wie z.B. Betonsockel getroffen werden.

Holz läßt sich leicht und gut verarbeiten, und die Oberflächenbehandlungen sind vielfältig (Rauh oder gehobelt, imprägniert, lasiert oder mit deckendem Anstrich versehen).

Konstruktive und andere Holzschutzmaßnahmen sollten getroffen werden.

 

7.10.3. Betonkonstruktionen


Diese massiven Konstruktionen werden in Ortbeton- oder Fertigteilbauweise erstellt.
Beide Bauweisen werden auch kombiniert.

 

7.10.3.1. Ortbetonbauweise


Die Oberfläche kann je nach Verfahren glatt, scharriert oder rauh ausgebildet sein.
Die Schalungsspur kann sichtbar bleiben, gestrichen oder verputzt werden.
Balkonplatten und Brüstungen werden von Scheiben, Stützen und Pfeilern gestützt.
Wärmebrücken müssen durch geeignete Maßnahmen vermieden werden.

 

7.10.3.2. Fertigteilbauweise


Scheiben, Platten, Stützen usw. werden im Werk gefertigt und ermöglichen eine schnelle Montage auf der Baustelle.
Sie sind im Vergleich zur Ortbetonbauweise preisgünstiger und für viele Gebäude einsetzbar.

 



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